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Jugend forscht

veröffentlicht am 26. April 2017



Jugend forscht 2011

Zusammen mit meinem damaligen Schulfreund Paul C. habe ich mit dem Projekt "Peruphasma schultei - eine neue entdeckte Insektenart" an Jugend forscht 2011 in Freiburg teilgenommen.
Im Rahmen unserer damaligen Möglichkeiten und mit großer Unterstützung des Scheffel-Gymnasiums haben wir die Insektenart Peruphasma schultei wissenschaftlich untersucht. Wichtig war für uns dabei, wie man sie am Besten hält und mit welchen bei uns wachsenden Pflanzen (Peruphasmen sind, wie es schon der Name verrät, in Südamerika heimisch) man sie füttern kann.

Hinterflügel Peruphasmen
Hinterflügel unter dem Mikroskop

Am Ende von "Jugend forscht", nach zwei aufregenden Tagen und vielen interessanten Eindrücken, belegten wir einen stolzen dritten Platz.
Es folgt eine überarbeitete und gekürzte Fassung (deshalb teilweise verwirrende Nummerierung) der abgegebenen schriftlichen Ausarbeitung unserer Ergebnisse.

  Linkbereich:

Zu diesem Projekt ist ein Artikel in der Badischen Zeitung entstanden. Dieser ist hier zu finden.




Einleitung

Peruphasma schultei - eine neu entdeckte Insektenart

2004 wurde in den Bergwäldern von Nordperu eine neue Insektenart entdeckt, die zur Familie der Pseudophasmatiden gehört. Wir verfolgten die Entwicklung mehrerer Tiere von der Eiablage bis zum adulten Tier und beobachteten ihr Verhalten. Wir untersuchten, welche in Deutschland heimischen Pflanzen sie fressen und worauf man achten muss, wenn man sie im Terrarium hält. Die Tiere wurden nur beobachtet und sehr sorgsam behandelt.
An zwei natürlich gestorbenen Tieren konnten wir interessante Entdeckungen mit der Stereolupe machen, auf den Computer übertragen und fotografieren.


I. Woher die Peruphasmen stammen und wer sie entdeckt hat

Die Peruphasma heißt auf Deutsch Samtschrecke, weil ihr Köper so aussieht und sich so anfühlt, als wäre er mit Samt überzogen.
Die Samtschrecken wurden erst im Jahr 2004 in den Wäldern des Nationalparks Cordillera del Condor entdeckt, der in den Anden im Norden von Peru liegt. Dort kam die Samtschrecke auf einer ungenutzten Fläche von nur 5 Hektar vor (auf einigen Internetseiten haben wir die Angabe von sogar nur 4 Hektar gefunden).
Der Entdecker, Rainer Schulte, ist ein deutscher Biologe, der dem wissenschaftlichen Artnamen seinen Namen hinzugefügt hat (Peruphasma schultei). Weil diese Tiere so selten waren und nur auf dieser kleinen Fläche vorkamen, führte Schulte in Zusammenarbeit mit einer peruanischen Naturschutzorganisation ein Projekt durch, das bis Ende 2007 lief. Ziel dieses Projekts war die Nachzucht möglichst vieler Tiere. Je eine Hälfte wurde ausgewildert, die andere verkauft. Der Erlös ging an die im Nationalpark Cordillera del Condor lebenden Indios.
Inzwischen gibt es auf der ganzen Welt so viele Peruphasmaliebhaber, dass diese Art vermutlich vor dem Aussterben gerettet werden konnte. Auch das Scheffel-Gymnasium hat zum Erhalt dieser schönen Insekten beigetragen.

Lage Perus
Lage von Peru in Südamerika

III. Wie hält man sie im Terrarium?

In Peru leben die Samtschrecken auf Bäumen. Sie klettern schnell und gerne. Das Terrarium sollte deshalb höher als breit sein, den Tieren genügend Klettermöglichkeiten (Äste) bieten und mindestens eine Größe von 30 x 30 x 50 cm (B x L x H) haben. Es können und sollten stets mehrere Tiere gehalten werden.
Eine Raumtemperatur von 18 - 24° C ist für eine erfolgreiche Haltung ausreichend. Aber auch Temperaturen darunter, bis ungefähr 15° C, machen den Tieren nichts aus. Samtschrecken kommen eher mit niedrigeren als mit höheren Temperaturen zurecht.
Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40 und 60 % liegen. Wenn die Luft im Terrarium zu trocken war, haben wir sie mit einem Blumensprüher befeuchtet. Man sollte die Peruphasmen allerdings nicht direkt ansprühen, da es sonst zu Häutungs-Problemen kommen kann. Am besten sprüht man nachmittags, da die Tiere sich meist vormittags häuten.
Staunässe muss vermieden werden, was am einfachsten durch eine gute Belüftung erreicht werden kann.
Um das Klima zu halten, sollten Blähtonkugeln (in Blumenläden erhältlich) auf den Boden gestreut werden. Sie nehmen Wasser auf und geben es langsam wieder an die Umgebung ab. Statt Blähtonkugeln könnte man auch Moos als Feuchtigkeitserhalter verwenden.


IV. Besonderheiten ihres Aussehens

Der Körper von Männchen, Weibchen und Jungtieren ist samtig schwarz. Die Weibchen sind größer als die Männchen.

Peruphasmen Paar
Weibchen: 55-70 mm; Männchen: 40-50 mm

Die Flügel sind bei den Peruphasmen so klein, dass sie damit nicht fliegen können. Bei den Nymphen sind die Flügel fächerförmig und gelb oder rot gestreift.

Peruphasmen Flügel
Flügel von Nymphen

Nach der letzten Häutung sind die Flügel schwarz und haben eine weiße Musterung. Jetzt können die Tiere auch die Hinterflügel anheben. Darunter kommt ein scharlachroter Flügel zum Vorschein. Inzwischen sind Samtschrecken mit weißen bzw. rosa Hinterflügeln entdeckt worden. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Mutation.

Die Mundwerkzeuge sind immer rot. Unter der Stereolupe kann man die einzelnen Werkzeuge deutlich unterscheiden

Peruphasmen Mundwerkzeuge
Mundwerkzeuge unter einem Stereomikroskop

VI. Was fressen die Samtschrecken?

Inzwischen kann man im Internet einige Seiten von Peruphasma-Haltern finden und erfahren, dass die Hauptnahrung der Tiere in ihrer Heimat Pfefferbaum (Schinus molle) ist.
Liguster und Flieder tauchen in den meisten Beschreibungen als geschätzte Futterpflanzen auf, doch dann gehen die Vorstellungen weit auseinander und viele Behauptungen widersprechen sich. Wir mussten also selbst herausfinden, was unsere Tiere fressen und ob sie besondere Vorlieben haben.

1. Welche in Deutschland heimischen Pflanzen fressen sie?
Die von uns beobachteten Samtschrecken fraßen Kirschlorbeer, Schlehe, Spitzwegerich, Flieder, Efeu, Forsythie, Esche, Nussbaum und Liguster. Probiert haben sie auch Brombeere, Himbeere, Löwenzahn und Haselnuss.

Hellgrüne Blätter und ganz frische Triebe mögen die Samtschrecken am liebsten. Mit Wasser besprühte Blätter fressen sie lieber als unbesprühte. Die Blattspitzen sind für die Peruphasmen eine besondere Delikatesse.

4. Was trinken sie?
Wir boten unseren neun Peruphasmen verschiedene Flüssigkeiten auf einer Glasplatte an. Die Tiere gingen nicht gezielt darauf zu. Als sie an die Flüssigkeit stießen, bewegten sie sowohl die Kiefertaster als auch die Lippentaster. Getrunken haben

  • vom Essig: keine Peruphasma
  • vom Salzwasser: keine Peruphasma
  • vom Leitungswasser: eine Peruphasma
  • vom Mineralwasser: eine Peruphasma
  • vom Zuckerwasser: drei Peruphasmen
Samtschrecken trinken, indem sie das Wasser langsam aufsaugen.


VII. Wie verhalten sie sich?

  • Unsere Samtschrecken sind nacht- und dämmerungsaktiv. Am Tag verstecken sie sich unter den Blättern ihrer Futterpflanzen. Wenn sie von uns gestört werden, weil wir das Terrarium besprühen oder neues Futter bringen, bewegen sie sich. Ist es im Raum ganz still, kann man sie essen und laufen hören. Die Larven verstecken sich ebenfalls unter Blättern, aber in großen Schlafgruppen, wo sie meist aufeinander liegen.
  • Wenn die Samtschrecken aufgeregt sind oder gestört werden, stellen sie ihr Abdomen auf und biegen es nach vorne. Dies soll vermutlich einen Skorpion darstellen, also bei einer Bedrohung den Feind abschrecken. Außerdem können die Samtschrecken ein Sekret versprühen, das einige Minuten in Augen, Schleimhäuten oder offenen Wunden brennt, jedoch keine bleibenden Schäden verursacht. Einer von uns atmete einmal nur die Dämpfe des Sekrets ein. Zwei Minuten lang war ein Brennen in der Nase zu spüren. Das Sekret besteht hauptsächlich aus Dialdehyd Peruphasmal.
  • Wir beobachteten, dass sich die Samtschrecken kaum beachten. Sie laufen z.B. achtlos über ihre Artgenossen hinweg.
  • Manchmal bearbeiteten sie die Fühler mit ihren Mundwerkzeugen. Wir vermuten, dass sie so ihre Fühler reinigen.
  • Wenn die Samtschrecken Angst hatten, streckten sie die Fühler nach vorne aus, ebenso ihre vorderen und mittleren Füße.
  • Wenn die Tiere den nächsten Ast suchten, auf den sie klettern konnten, ließen sie oft ihre Fühler rotieren.
  • Da wir bemerkten, dass die Tiere manchmal von den Blättern fallen, untersuchten wir dies genauer. Sie fallen wie Katzen herunter, das heißt, sie drehen sich im Fallen und landen auf den Füßen. Damit das klappt, muss die Höhe mindestens 24 cm betragen. Bei Pärchen funktionierte das allerdings nicht.
  • Wir fanden heraus, dass die Peruphasmen ihre Flügel im Alter selten oder gar nicht aufstellen. Die alten Tiere tranken auch mehr. Das Abdomen wurde nicht mehr aufgerichtet, manchmal sogar hinterhergeschleift.
  • Ein paar Wochen vor dem Tod ergrauten unsere Tiere und sonderten sich ab. Oft waren sie dann auch zu schwach, um noch an den Scheiben des Terrariums hochzuklettern.

VIII. Literaturverzeichnis